Tja, was soll man über die ersten Wochen bei einer Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung sagen. Die ersten Stunden waren vor allem von organisatorische Sachen geprägt. Wie ist die Ausbildung aufgebaut? Wer sind unsere Lehrer? Was lernen wir? und so weiter und so fort.
Wie bereits erwähnt, sind unsere Lehrer durchgehend sehr nett. Alle sind kompetent in ihrer Arbeit und können auch abweichende Fragen (vom Stoff) sehr gut beantworten. Alle besitzen eine ordentliche Menge Humor und erzählen gern aus dem "Nähkästchen" was sie selber in ihrer aktiven Zeit als Krankenschwester erlebt haben, als sie selber einmal im Krankenhaus lagen, oder was sie bei Besuchen anderer Azubis gesehen haben. Man fühlt sich von Anfang an richtig in dieser Ausbildung (soweit man auch den Wunsch hat, diese Ausbildung zu machen).
Was den Kurs (Klasse) angeht, so ist von der Altersstufe 17 bis 39 Jahren alles vertreten. Es haben sich sogar 3 Männer in diese Ausbildung "verirrt" (was sicherlich nicht negativ gemeint ist). Alle 3 heben den Altersdurchschnitt gewaltig, da sie die Ältesten in unserem Kurs sind. Insgesamt sind wir 28 SchülerInnen.
Am Anfang der Ausbildung fanden diverse Vorstellungen statt. Wir sollten bei allen Lehrern einmal kurz etwas über uns erzählen. Zum Beispiel wo wir herkommen, wie alt wir sind, was wir vorher gemacht haben usw. Dadurch erfuhr ich schnell, dass die meisten Mitschüler, wie ich auch, Quereinsteiger sind. Manche wollten den Beruf schon vorher erlernen, durften aber nicht, weil sie zu jung waren oder nicht den richtigen Schulabschluss hatten. So kamen viele aus ihrer ersten Ausbildung (und vielleicht einigen Monaten oder Jahren Arbeit) zu diesem Job.
Die meisten hatten schon in sozialen Einrichtungen durch FSJ (Freiwilligen Soziales Jahr) oder Praktikum gearbeitet und somit Erfahrungen sammeln können. Einige hatten auch eine Ausbildung als Arzthelferin oder Zahnarzthelferin hinter sich. Aber nur zwei oder drei Schüler (inklusive mir) hatten keine längeren Erfahrungen im Gesundheitswesen. (Ich nehme mal die 2 Wochen Praktikum bei meinem Hausarzt in der 9. Klasse nicht als Erfahrung.)
Weiterhin wurde in den ersten Stunden über unsere Vorstellungen und Erwartungen gesprochen. Ehrlich - teilweise kam ich mir vor, als wäre ich von einer Horde von Psychologen umgeben gewesen, anstatt von Lehrern. Und glaubt mir, ich hab genügend Erfahrungen mit Psychologen.
Aber ich denke, dass half uns auch klar zu machen, was uns erwartet, was wir von anderen erwarten und was die Patienten vielleicht von uns erwarten. Es wurden dazu Unmengen an Plakaten mit unseren Kommentaren angefertigt, die wir nach unserer Ausbildung dann wieder anschauen können. Vielleicht sehen wir dann, wo wir unnötige Angst hatten, wo es später vielleicht schwerer wurde als gedacht und vielleicht was diejenigen gedacht hatten, die vorzeitig ausgeschieden sind.
Aber es gab auch Stunden, die ordentlich reinhauten. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich in dem Moment sehr stolz auf meine schulische Ausbildung auf meinem Gymnasium war und auch auf meine Biologielehrer. Wir nahmen zuerst das Herz durch, aber auch die Zelle, Gewebearten, Stoffaustausch, Muskeln, Mundraum, Haut und Knochen sowie Lernarten bis ins Detail. Ich konnte mich eigentlich auf mein Wissen verlassen und brauchte eigentlich nur noch die lateinischen Begriffe lernen. Viele hatten zwar auch Abitur, aber hatten nie den Stoff genossen, den ich lernen durfte. Daher war das Lernen etwas einfacher für mich. Aber trotzdem musste alles in der dritten Woche sitzen, da dort schon die erst Klausur anstand.
Viele hatten wohl Probleme, da sie soviel Stoff gar nicht in ihr Hirn unterbringen konnten, einige Sachen vertauscht hatte. Ich hab zwar auch einige Fehler drin, aber ich sehe dem Ergebnis recht positiv entgegen. Leider haben wir die Klausur noch nicht zurück bekommen.
Und nun, nach der ersten Klausur und vier Wochen vor unserem ersten praktischen Einsatz auf Station wird es für mich endlich richtig interessant. Welche Anzeichen kann man auf der Haut für bestimmte Krankheiten erkennen, wie muss ich es behandeln, gibt es Hausmittel die helfen? Wie berühre ich einen Patienten, wie lagere ich ihn, wie mache ich das Bett, wie und wann desinfiziert man sich die Hände, was kann man bei Herz-Kreislauf-Problemen tun, wie gehe ich mit Neugeborenen um? Die letzten beiden Wochen waren zusätzlich mehr durch praktischen Übungen geprägt. Gleichzeitig wurden uns die Pflegerichtlinien für dieses Krankenhaus erläutert und Tipps aus eigenen Erfahrungen gegeben.
Ich hoffe, dass ich diese Sachen alle behalten kann, um meine derzeitigen Leistungen auch positiv in der Praxis erhalten zu können. Und wie man es von Ärzten und anderen medizinischen Ausbildungen vielleicht kennt, werde ich von nun an auch meine Familie, Freunde und Bekannte mit meinem Wissen nerven und sie als Versuchskaninchen akquirieren. Dieses Wochenende steht Blutdruckmessen an - was schwerer ist als es aussieht, da die Stethoskope so empfindlich sind, dass sie jede Muskelbewegung als Geräusch übertragen. Aber keine Angst...auch ich muss für meine Mitschülern als Versuchskaninchen herhalten. Durch das mehrmalige Blutdruckmessen bei mir hatte ich schon einen blauen Unterarm, der zum Glück wieder seine Ausgangsfarbe angenommen hat. 
Nächste Woche werde ich sicherlich über unseren Besuch in der Kinderklinik des Uniklinikums sprechen und den Rundgang über den Campus der Klinik. Dazu werde ich mich auch noch einmal über Einstellungen zur Ausbildung und dem Beruf auslassen, da ich in meinem Kurs schon einige Sachen erlebt habe, wo sich mir die Nackenhaare aufstellen.
Also bis später und bleibt gesund!