Die neue Krankenversichertenkarte, euphemistisch auch als 'Gesundheitskarte' bezeichnet, wird ab Herbst in verschiedenen Pilotregionen in Deutschland getestet werden. Dabei ist dies nicht als Test für eine Entscheidung darüber zu verstehen - nach Meinung von Experten kommt die Karte 'auf jeden Fall'. Um jeden Preis, könnte man auch sagen - die bislang geschätzten Kosten für insgesamt 72 Millionen neue Krankenversichertenkarten und -nummern und die Pflege der entsprechenden Informationen belaufen sich auf ca. 1,4 Milliarden Euro. Was der Spaß am Ende tatsächlich kostet, bleibt abzuwarten. Die Kosten, die z.B. auf Arztpraxen für neue Hard- und Software zukommen, werden am Ende auch wir, die Steuer- und Beitragszahler und Patienten tragen.

Geradezu überoptimistisch ist auch der Chef des AOK-Bundesverbandes. Noch ist keineswegs geklärt, wer das Informationsmonopol für die neue Karte hat oder wer die nötigen Server betreuen wird, aber Hans Jürgen Ahrens glaubt daran (muss daran glauben?), dass das "relativ schnell", nämlich bis Ende des Sommers, gelöst werden könne. Hat der Mann noch nie mit einem IT-Großprojekt oder der Bundesregierung zusammengearbeitet? Haben die von Hartz IV wirklich nichts mitbekommen?
Gebetsmühlenartig wird ausserdem wiederholt
Der medizinische Teil soll freiwillig sein: So können die Patienten darauf ihre eingenommenen Arzneimittel dokumentieren lassen und Notfallinformationen und Arztbriefe können gespeichert werden. Versicherte sollen zudem weitgehende, eigenständige Zugriffsrechte auf die gespeicherten Daten bekommen
Wir wissen zwar nicht wer das Informationsmonopol haben wird, aber natürlich ist alles
total freiwillig und die Patienten haben die absolute Kontrolle. Sicher: deswegen hat man auch bei der Einführung der letzten Versichertenkarte darauf verzichtet, Patienten ihre Rechnungen vor Einreichung abzeichnen zu lassen und darüber zu informieren was der Arzt ihnen abrechnet, weil man den Patienten das Verstehen der Informationen zutraute und die Ärzte auch die Zeit haben, ihren Kunden das Ganze haarklein zu erklären.
Und nächstes Jahr bauen wir dann das Krankenkassenwesen komplett um und eine neue Gesellschaft verdient eine Milliarde an der Umstellung - wir haben's ja...
Saturday, June 11. 2005 at 10:48 (Reply)
zur Cebit gab es einige Veranstaltungen in Sachen Sicherheit und Folgen(-Kosten). Die neue G-Card wird wohl alles bisher Dagewesene sprengen. Zum einen wird nur ein Bruchteil der Kosten gepostet. Allein auf die Praxen kommen monatliche Gebühren von ca. 100 Euro zu. Die Karte wurde ja jetzt schon in Österreich probeweise eingeführt. Und zwar im Burgenland und nochmal irgendwo. Dort zahlen die Ärzte alleine 40 Euro für den Zugang zu einem geschlossenen Netz. Man braucht DSL, darf aber nicht über das "normale" DSL-Netz. Und dann mal schnell über das G-Netz surfen geht auch nicht, ergo bräuchte man 2 mal DSL. Das lässt sich endlos fortsetzen.
Was mich am meisten geärgert hat: durch die landesweite Einführung der G-Card sind ca 10 Terrabyte Daten ständig greifbar. Und bei einem Nutzerkreis von 300 000 Zugriffsmöglichkeiten, sollen die Daten 100 % sicher sein ?!
ha ha!
Grüße med maxx